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Antworte Franz Kafka!

Franz KafkaFranz Kafka an Milena Jesenska

[Prag, 14. September 1920]

Der erste Brief war schon weggeschickt, als der Deine kam. Abgesehen von allem, was darunter – unter diesen Dingen »Angst« udgl. – sein mag und wovor mich ekelt, nicht weil es einfach ekelhaft ist, sondern weil mein Magen zu schwach ist, abgesehen davon ist es vielleicht noch einfacher als Du es sagst. Etwa so: Die einsame Unvollkommenheit muß man ertragen, jeden Augenblick hindurch, die Unvollkommenheit zu zweit muß man nicht ertragen. Hat man nicht die Augen, um sich sie auszureißen und das Herz zum gleichen Zweck? Dabei ist es ja nicht so schlimm, das ist Übertreibung und Lüge, alles ist Übertreibung, nur die Sehnsucht ist wahr, die kann man nicht übertreiben. Aber selbst die Wahrheit der Sehnsucht ist nicht so sehr ihre Wahrheit, als vielmehr der Ausdruck der Lüge alles übrigen sonst. Es klingt verdreht, aber es ist so.
Auch ist es vielleicht nicht eigentlich Liebe wenn ich sage, daß Du mir das Liebste bist; Liebe ist, dass Du mir das Messer bist, mit dem ich in mir wühle.
Übrigens sagst Du es selbst: »nemáte síly milovat«1 , sollte das noch keine genügende Unterscheidung sein zwischen »Tier« und »Mensch«?

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1 tschechich: Sie haben keine Kraft zu lieben


(Aus: Briefe an Milena. Frankfurt a.M.: S. Fischer. 2002. 12. Auflage)

 

ZusatzinfoFranz Kafka (3. Juli 1883 – 3. Juni 1924) war ein Prager Jurist und Schriftsteller. Er verliebte sich in die Journalistin Milena Jesenska, die mit ihrem Mann in Wien lebte. Die Liebesbeziehung zwischen ihr und Kafka bestand vor allem in einem Briefwechsel. Sein Schreibstil lässt sich nirgendwo eindeutig einordnen, er wird oft als surreal und alptraumhaft bezeichnet. Franz Kafka starb mit vierzig Jahren an einer Lungentuberkulose.

 

Diese Gedanken und Fragen können Ihnen bei einer Antwort vielleicht helfen.

Was bedeutet es für Kafka, Milena Jesenska zu lieben? Schildern Sie Kafka in einem Antwortbrief Ihre Erfahrungen mit der Liebe. Suchen Sie sich aus den Überlegungen und Stichworten dieses Briefes zwei bis drei aus, auf die Sie näher eingehen.

 



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